Verbandsgemeinde Zell
Grußwort zur Eröffnung der Synagoge Zell PDF Drucken E-Mail

Redebeitrag Bürgermeister Karl Heinz Simon
Eröffnung der ehemaligen Synagoge Zell
am 25.10.2003 um 11 Uhr

Ich bedanke mich für die Gelegenheit – und es ist mir auch eine große Ehre -, heute morgen zur Eröffnungsfeier der ehemaligen Synagoge Zell einige Worte an Sie richten zu dürfen und ich möchte die Gelegenheit nutzen, dem Freundeskreis der Synagoge Zell gleichzeitig zur Fertigstellung der Synagoge nach ihrer Restaurierung zu gratulieren.
Ich tue dies im Namen der Bevölkerung und der Gremien der Verbandsgemeinde und der Stadt Zell, aber auch ausdrücklich im Namen von Herrn Stadtbürgermeister Bamberg, welcher es sehr bedauert, heute bei dieser Eröffnungsfeier leider nicht anwesend sein zu können. Er wird jedoch den morgigen „Tag der offenen Tür“ nutzen, um sich auch persönlich ein Bild von der hier geleisteten Arbeit zu verschaffen.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, bei einem Grußwort anlässlich der Einweihung von öffentlichen Einrichtungen wie Bürgerhäusern, Mehrzweckhallen, Schulen oder Kindergärten spricht man oft davon, dass der jeweilige Tag ein froher Tag für die Gemeinde darstellt. Sicherlich ist der heutige Tag mit der Eröffnung der restaurierten Synagoge in Zell auch ein solch froher Tag.
Für mich persönlich ist dies heute jedoch wesentlich mehr noch ein nachdenklicher Tag.
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
in unserer Zeit ist die Auseinandersetzung mit der Deutschen Geschichte, mit unserer Geschichte, eine wichtige Aufgabe. Wir Alle, die wir in unterschiedlichen Funktionen Verantwortung tragen, sei es als Politiker, sei es als Lehrer oder in anderen Funktionen, - gerade aber wir als Politiker – haben eine besondere Verantwortung gegenüber der heranwachsenden Generation, die die schrecklichen Ereignisse der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts nur noch aus den Geschichtsbüchern kennt.
Ein besonders düsteres Kapitel in der Geschichte Deutschlands ist dabei unumstritten die Judenverfolgung. Viele Zeugen der Ereignisse gibt es heute – fast 60 Jahre nach Kriegsende - leider nicht mehr. Deshalb muss alles dafür getan werden, die noch vorhandenen Stätten jüdischer Geschichte in unserem Land zu erhalten bzw. wieder

herzustellen, sie den jüdischen Gemeinden zurück zu geben oder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
In ganz Deutschland wird diese Aufgabe von zahlreichen Vereinen wahrgenommen. Als gutes Beispiel dafür möchte ich in diesem Zusammenhang das Engagement des „Freundeskreises der Synagoge Zell“ herausheben.
Ausgehend von einer Begegnungswoche mit Mitgliedern der ehemaligen Synagogengemeinde Zell im September 1995 haben sich engagierte Bürgerinnen und Bürger dafür eingesetzt,die ehemalige Synagoge in Zell als Zeugnis früheren christlich-jüdischen Zusammenlebens zu restaurieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Ziel ist dabei auch die Auseinandersetzung mit unserer eigenen Geschichte und die Schaffung einer Begegnungsstätte, in der alle interessierten Menschen mehr über das jüdische Leben und die jüdische Geschichte hier in Zell und den Nachbarorten erfahren können.
Von Anfang an ist es Ihnen, sehr geehrter Herr Piacenza, dabei gelungen, viele Menschen für dieses Projekt zu begeistern und ein Besuch heute oder Morgen am „Tag der offenen Tür“ wird jedem verdeutlichen, was dieses Engagement seither alles bewirkt hat.
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
das Erinnern an das Zusammenleben von Christen und Juden in Deutschland und auch an diese dunklen Stunden unserer Geschichte ist heute wichtiger denn je.
Wir Deutschen erhalten in den letzten Jahren durch den Zuzug von jüdischen Mitbürgern aus der ehemaligen Sowjetunion eine zweite Chance, genauso wie wir durch die Wiedervereinigung eine zweite Chance erhalten haben. Der 1938 vor den Nazis in die USA geflohene Historiker Fritz Stern hat dieses Wort von der 2. Chance geprägt; er hat damit die Anforderung an Deutschland verbunden, sich für Frieden und Vernunft einzusetzen.
Das ist keine leichte Verpflichtung, allerdings eine Verpflichtung, der nachzukommen gerade vor dem Hintergrund der aktuellen weltpolitischen Entwicklungen Gebot ist.

Frieden und Vernunft sollten unsere Gemeinschaft prägen und wir sollten alle unsere Kräfte dafür einsetzen, dieses Ziel zu erreichen.
Frieden und Vernunft sollte auch die Beziehung zu den jüdischen Gemeinden, zu jüdischen Mitbürgern und zu früheren und heutigen jüdischen Einrichtungen prägen. Eine Voraussetzung für solche Beziehungen ist gegenseitiges Verstehen - ist eine enge Kommunikation.
Die Erinnerung und die mitmenschliche Trauer lebendig zu halten, die Mahnung der Geschichte im Bewusstsein zu verankern, ohne in Gedenkrituale zu verfallen, die das Herz nicht mehr erreichen – das ist eine Herausforderung, vor der wir stehen.
Der Freundeskreis Synagoge Zell e.V. hat mit der jetzt abgeschlossenen Restaurierung dieser Synagoge hier in Zell ein solches Denkmal gegen das Vergessen der schrecklichen Geschehnisse im Nationalsozialismus gesetzt. Er erinnert aber mit diesem Denkmal auch gleichzeitig auch an unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die unter uns und mit uns hier gelebt haben.
Im buchstäblichen Sinne des Wortes „Denkmal“ kommt, wenn man heute hier steht, der Anstoß
„Denk mal darüber nach,
was hier und andernorts geschehen ist
und leiste Deinen Beitrag dazu,
dass sich solches nie wiederholt!“
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
für Ihr großes Engagement darf ich mich bei Ihnen allen, liebe Mitglieder des Freundeskreises, besonders jedoch bei Ihrem Vorsitzenden, Herrn Franz Piacenza, aber auch bei allen anderen Förderern des Projektes ganz herzlich bedanken.
Nach fast einjähriger Restaurierungsarbeit können wir heute die Synagoge in ihrem früheren Zustand wieder bestaunen.

Mein Dank gilt heute aber auch den Eigentümern des Zeller Schlosses, Frau Schneider und Herrn Enning, welche die Räumlichkeiten der früheren Synagoge dem Freundeskreis zur Wiederherstellung und Nutzung zur Verfügung gestellt haben.
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
die Restaurierung der Synagoge wird dazu beitragen, sich an unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger jüdischen Glaubens zu erinnern, welche Opfer des Holocaust wurden und diese Erinnerung auch für künftige Generationen wach halten.
Allen Beteiligten, die sich dieser Aufgabe annehmen, möchte ich meinen besonderen Dank und meine persönliche Anerkennung aussprechen.

 
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