Verbandsgemeinde Zell
Grußwort Hospiztag Cochem-Zell PDF Drucken E-Mail

Grußwort Bürgermeister Karl Heinz Simon
am 05. Juli 2003
anlässlich des 2. Hospiz-Tages Cochem-Zell

Ich bin wieder sehr gerne der Bitte des Hospiz-Vereines Cochem-Zell gefolgt, die
Schirmherrschaft über den zweiten Hospiz-Tag, der ja wesentlich von dem Motto
"Sterben – ein Teil meines Lebens" geprägt ist, zu übernehmen und Ihnen auch im
Namen der Verbandsgemeinde Zell nicht nur Grüße zu überbringen, sondern damit
auch die Wertschätzung auszudrücken, welche ich Ihrer wichtigen Tätigkeit
entgegenbringe.
Sterben und Tod sind Themen, mit denen sich manch einer – und dies sicherlich auch
aus nahvollziehbaren Gründen - nur ungern beschäftigt und auseinandersetzt. Um so
mehr freue ich mich auch über ihr großes Interesse, liebe Teilnehmerinnen und
Teilnehmer, an den heutigen Gesprächs- und Informationsangeboten.
Was aber, meine Damen und Herren, und damit möchte ich mich kurz den aktiven
Vereinsmitgliedern zuwenden, was bewegt diese Männer und Frauen, ehrenamtlich
beim Hospizverein mitzuarbeiten, sich aus- und fortbilden zu lassen, dafür in hohem
Maße ihre Freizeit zu opfern, ja sogar einen Teil ihres Lebens mit den Themen Sterben
und Tod zu verbringen, den Sterbenden zu widmen?
Die Antwort mag selbstverständlich sein: "Sterben – ist ein Teil meines Lebens" und
dieses Mal nicht mit Fragezeichen – sondern mit Ausrufezeichen! Tod und Sterben sind
ein integraler Bestandteil des Lebens. Eigentlich sollte das jedem Menschen bewusst
sein; Sterben, Krankheit, Tod sollten auch sichtbar sein.
Mit der Entwicklung der modernen Medizin wurde der Tod ins Krankenhaus verbannt,
schwand zunehmend aus dem Bewusstsein des Alltages, wurde abstrakter, wurde
vielleicht sogar im Krankenhaus reduziert zu einer Frage der Technologie.
Viele Menschen stehen dem Sterben und dem Tod mit Fassungslosigkeit und
Ohnmacht gegenüber, sie tabuisieren, sie verdrängen, sie flüchten innerlich - ein
Manko unserer Zeit, das u. a. auch ich drauf zurückführe, dass Familie und
Gesellschaft heute nicht mehr den Stellenwert von früher genießen.
Sterben in vertrauter Umgebung, zu Hause, im Beisein der Angehörigen - wann und wo
gibt es das heute noch? Wo früher die Familie in Ruhe und aller Stille Abschied

nehmen konnten, herrscht heute weitestgehend Anonymität. Sicher gibt es viele
Faktoren, die hier mit hereinspielen.
Sei es die Tatsache, dass nahezu jeder heute einer Vollbeschäftigung nachgeht oder
sich die Familie - Großeltern, Eltern, Kinder - auf mehrere Wohnorte verteilt. Ein "Sich-
Kümmern" ist oft schwer, ja manchmal gar unmöglich. Und zudem fühlen sich viele
Menschen dem Anblick der Trauer und des Todes nicht gewachsen.
Um so wichtiger sind deshalb Vereinigungen wie der Hospiz-Verein Cochem-Zell,
welche ihre Aufgabe vielleicht so definieren: Hospizvereinigungen wollen das tun, was
zu tun ist, wenn nichts mehr zu machen ist: Schmerztherapie, gute Pflege, menschliche
Nähe und Begleitung.
Vielleicht auch mit anderen Worten ausgerückt: "Ich kann dir nicht helfen, aber ich bin
da, mit dir alles durchzustehen." Traurige, Hilflose, der Krankheit Ausgelieferte trösten,
heißt: ihnen den Mantel der Geborgenheit umzulegen. Ich bin mit meinen Worten nicht
in der Lage - ohne platt daherzureden - auszudrücken, was Sie, die Begleiter beim
Sterben, erleben.
Deshalb bediene ich mich eines kleinen Gedichtes von Alexander Sadóra:
Immer wenn ich traurig bin sagst du: "Ich weiß" und nimmst meine Hände.
Du machst sie zu Feuerbündeln, die den Raum erwärmen.
Plötzlich weiß ich nicht mehr was Kälte ist und verschenke meinen Schal
in den Straßen.
Einer wird aufhören zu frieren so wie ich denn du sagst: "Ich weiß"
Seit seiner Gründung ist der Hospiz-Verein Cochem-Zell wichtiger Hoffnungsträger und
Tröster für Schwerkranke und deren Angehörige. Ganz herzlich danke ich heute Ihnen,
sehr geehrte Frau Schug, als Vorsitzende so wie auch allen Vorstandsmitgliedern für
die Leitung dieser Organisation und für Ihr großes persönliches Engagement:
Mit einbezogen in diesen Dank sind natürlich alle ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter. Dank dafür, dass Sie alle durch Ihren selbstlosen Einsatz Schwerkranken
und sterbenden Menschen das Gefühl geben, in ihren schwersten Stunden nicht allein
zu sein, und ihnen Ruhe und Frieden vermitteln.

Dieser aufopferungsvolle, mit Körper und Seele geleistete Dienst am Nächsten verdient
Bewunderung und Anerkennung in höchstem Maße, zumal dieser Einsatz für Sie
bestimmt auch persönliche Konflikte aufwirft und Sie Ihre Grenzen sicher auch
manchmal überschreiten lässt.
Von ganzem Herzen wünsche ich Ihnen auch in Zukunft viel, viel Kraft für diese
Aufgabe und die Gewissheit, mit Ihrer Arbeit vielleicht das Wichtigste zu leisten, was
ein Mensch für den anderen tun kann.
Schön wäre es daher, wenn auch diese Veranstaltung den einen oder anderen von
Ihnen, liebe Teilnehmerinnern und Teilnehmer, dazu bewegen könnte, die eigene
Hemmschwelle zu überwinden und Interesse für eine aktive Mitarbeit im Verein
entwickeln.
Der Vorstand, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und bestimmt auch die Referenten
des heutigen Tages stehen Ihnen sicher gerne für nähere Auskünfte zur Verfügung.
Noch einmal: Dank für Ihr Engagement!
Und: Gut dass es Sie gibt!

 
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