Ansprache Bürgermeister Karl Heinz Simon
zur Jugendförderpreisverleihung der Verbandsgemeinde Zell (Mosel)
am 07. Juni 2010 im Bürgerhaus in Blankenrath
Ich freue mich Sie zur heutigen Preisverleihung im Wettbewerb um den Jugendförderpreis 2010 der Verbandsgemeinde Zell hier in Blankenrath begrüßen zu dürfen. Besonders begrüße ich natürlich die Preisträger des Jugendförderpreises 2010 der Verbandsgemeinde Zell (Mosel): Die Messdieneraktionsgruppe „Der Berg ruft“, die Mitglieder des Gemeinschaftsprojektes „Gebt den Kindern (k)einen Korb“ sowie die Mitglieder des ökumenischen Chorprojektes „Gott der Baumeister“
Ich freue mich besonders über das Interesse unserer Landtagsabgeordneten an dieser Preisverleihung und begrüße Frau Heike Raab. Ein herzliches Willkommen geht auch an die Mitglieder des Ausschusses „Jugend, Senioren und Ehrenamt“ der VG Zell, welcher als Jury keine leichte Aufgabe hatte.
Ich begrüße die Beigeordneten Mechthilde Esser und Martin Reis und die Fraktionsvorsitzenden Karl-Otto Gippert und Walter Justen sowie die Herren Ortsbürgermeister Jochen Hansen, Blankenrath, Lothar Jakobs, Mittelstrimmig, Bertold Brand, Haserich und Frau Stadtbeigeordnete Bettina Salzmann owie den Beigeordneten der Gemeinde Forst Herrn Berthold Treins. Mit Ihnen begrüße ich auch alle Anderen Gäste, die jetzt noch nicht namentlich von mir erwähnt wurden.
Tue Gutes – und rede darüber. Unter diesem Motto steht die heutige Feierstunde des Jugendförderpreises 2010 der Verbandsgemeinde Zell hier im Bürgerhaus in Blankenrath.
„Tue Gutes“ – das haben Sie getan, liebe Teilnehmer des Jugendförderpreises, Sie, Ihr alle, steht im Mittelpunkt der heutigen Veranstaltung. Und „rede darüber“ – das ist der Part von uns, der Verbandgemeinde Zell, die wir zur heutigen Feierstunde, dem Jugendförderpreis 2010 eingeladen haben.
Im Namen der Verbandsgemeinde Zell darf ich Ihnen zum Einen gratulieren, zum Anderen aber noch viel mehr sehr herzlich danken für Ihr Wirken für unsere Jugend und somit für das Allgemeinwohl. Ich finde es großartig, was Sie alles für unsere Jugend in der Verbandsgemeinde Zell und darüber hinaus tun, und mir liegt viel daran, solch großartiges Engagement entsprechend zu würdigen.
Heutzutage ist kaum ein Bereich des öffentlichen Lebens ohne ehrenamtlich Tätige mehr denkbar, sei es das Soziale oder der Sport, die Kultur, Umweltschutz, bei der Kirche, der Feuerwehr, im Beruf, bei den Gewerkschaften, auch in der Politik, … also in faktisch jedem Lebensbereich. Die Bereitschaft, für die Allgemeinheit zu wirken, zieht sich, durch alle Altersgruppen und Kreise. 36 Prozent aller Deutschen über 14 Jahren engagieren sich, wie der jüngste „Freiwilligensurvey“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend besagt und wie auch wir in der Verbandsgemeinde Zell feststellen konnten.
Sie engagieren sich in dem Sinne, dass man in Vereinen, Initiativen, Projekten, Selbsthilfegruppen oder Einrichtungen aktiv mitmacht und dort unbezahlt freiwillig übernommene Aufgaben oder Arbeiten ausübt. Diese freiwillig engagierten Menschen wenden Woche für Woche etliche Stunden auf, Zeit, die eigentlich freie Zeit wäre, um etwas für andere zu tun oder für Projekte, die ihnen wichtig sind. Sie spenden ihre Zeit und ihre Energie, ihr Wissen und ihre Fantasie sowie oft genug auch ihr Geld, um etwas in ihrem Umfeld zu verbessern oder zu verändern.
Warum tun sie das? Die Motive oder die Auslöser für bürgerschaftliches Engagement sind wahrscheinlich so unterschiedlich wie die ehrenamtlich Tätigen selbst. Doch für zumindest recht viele scheint zu gelten, dass sie etwas bewegen oder etwas bewirken wollen. Sie möchten etwas Sinnvolles tun. Und es gibt ihnen ein gutes Gefühl, gebraucht zu werden.
Menschen, die zum Geben bereit sind, sehen nicht nur ihr Ich, sondern haben ein Wir im Blick. Sie empfinden Verantwortung für ihr Umfeld, sie fühlen mit anderen, sie betrachten sich beziehungsweise alle Menschen als Teil einer Gemeinschaft. Menschen, die sich engagieren, wie Sie es tun, liebe ehrenamtlich Tätige, machen das Leben in unserer Verbandsgemeinde heller und bunter. Sie schaffen ansprechende Freizeitangebote, sie geben menschliche Zuwendung, sie sorgen für soziale Balance.
Dabei ist die Jugendarbeit besonders wichtig. Jugendarbeit bedeutet die Art und Weise des Stabwechsels, die Übergabe der Gesamtverantwortung für unsere Gesellschaft in der Zukunft zu organisieren und die heutigen Jugendlichen auf die Übernahme dieser Verantwortung vorzubereiten.
Es geht dabei zwar auch - aber das nur am Rande - um Freizeitgestaltung, es geht vielmehr darum, wie die heute Verantwortung tragenden die morgen Verantwortlichen auf ihre Aufgabe vorzubereiten, wie wir jungen Menschen das Rüstzeug für die Bewältigung Ihrer Zukunft, unserer Zukunft, mit auf den Weg geben.
Wir, die Verbandsgemeinde Zell, werden dies mit unserer Anregung zur Gründung eines Jugendparlamentes mit unterstützen. In der Verbandsgemeinde Zell existiert – wir sehen dies auch heute wieder - eine sehr breit gefächerte und von hoch motiviertem Engagement vieler Menschen getragene Jugendarbeit. Heute darf ich beispielhaft für die großartige Jugendarbeit drei Projekte vorstellen. Auch in diesem Jahr war es wieder schwer, bei der Verleihung des Jugendförderpreises, die Platzierungen festzulegen.
Denn eins möchte ich nochmals besonders betonen: Gewinner sind Sie alle. Für uns Bürgerinnen und Bürger ist Ihr Engagement auch ein Gewinn für unser Gemeinschaftsleben innerhalb der Verbandsgemeinde. Ich möchte jetzt die einzelnen Platzierungen und Projekte ein wenig vorstellen:
Platz drei mit einem Preisgeld von 100 € belegte das Projekt des jungen Chors Marienburg „Gott der Baumeister“. Das Projekt „Gott der Baumeister“ ist ein ökumenisches Chorprojekt für Kinder, Jugendliche und – sind wir das nicht Alle - Junggebliebene.
Außerdem ist das Projekt verbands- und kreisübergreifend. „Gott der Baumeister“ ein Gemeinschaftsprojekt
• der „Kirche der Jugend Marienburg“ mit der Band „menschwärts“ des CVJM Traben-Trarbach,
• mit der evangelischen Kirchengemeinde Zell,
• mit dem evangelischen Kirchenkreis Simmern-Traben-Trarbach,
• mit den Dekanten Cochem und Wittlich sowie der Fachstelle Kirchenmusik und Planungsgruppe JCM.
Das Musikprojekt ist ein ganzjähriges kulturelles Projekt mit intensivem Engagement in der Jugendarbeit. Das besondere daran: hier erarbeiten Kinder, Jugendliche und Erwachsene gemeinsam ihr Projekt. Als erstes ging darum unter der Überschrift „Gott der Baumeister“ gedanklich und emotional die Schöpfung als Geschenk und Auftrag zu begreifen und von daher die Würde des Menschen zu verstehen. Diese inhaltliche Ausrichtung zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Projekt. Das Projekt wurde das ganze Jahr in zahlreiche Veranstaltungen untergliedert:
Insgesamt 7 Planungsworkshops folgte im Januar 2010 ein Chorwochenende sowie nach erfolgreichen Probetagen vier öffentliche Auftritte: in Zell-Kaimt, Enkirch, Klausen und in Cochem. Ziel des Projektes ist das Bemühen der jungen Menschen um sinnvolle Freizeit- und Lebensgestaltung und die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit.
Platz zwei mit einem Preisgeld von 250 € geht in diesem Jahr an das Gemeinschaftsprojekt der IGS Zell und des TV Zell, Abteilung Basketball „Gebt den Kindern (k)einen Korb“. Die Basketballabteilung des TV Zell bietet seit 2008 im Ganztagsangebot der IGS Zell Basketball für Jungen und Mädchen an. Bewegungsarme und –ferne Schüler werden motorisch geschult und in ihrer Gesundheit gefördert. Durch den Spaß am Basketball lernen sie darüber hinaus Teamfähigkeit, Selbstvertrauen, Selbstorganisation und Verantwortung.
Die jungen Mannschaftsspieler werden von den Seniorenspielern eingewiesen. Kurze Zeit später übernehmen sie Eigenverantwortung. Für Auswärtsspiele am Sonntagmorgen früh aufstehen, für den Sport auch Entbehrungen auf sich nehmen mit Niederlagen umgehen – alles nicht so einfach und es muss geübt sein.
Auf der schulischen Ebene besteht sowohl die Möglichkeit an Freundschaftsspielen teilzunehmen z.B. mit der Katholischen Hauptschule Griechenmarkt in Köln oder der wettkampfmäßigen Auseinandersetzung im Schulwettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“. Dazu ist keine Vereinszugehörigkeit erforderlich. Wer allerdings möchte, kann auch zum Vereinstraining kommen.
Wenn beim Vereinstraining die Vierzehnjährigen von den Senioren lernen und gleichzeitig unter Anleitung die Elfjährigen trainieren entsteht auch ein intensives soziales Netzwerk auf der Basis der Vorbildfunktion. Die am Basketball interessierten Schülerinnen und Schüler erwerben das Sportabzeichen des DBB in Bronze, Silber und Gold. Die Vereinsmitglieder nehmen an Meisterschaften teil und können in ihrer Freizeit auch Trainingscamps besuchen, wo neue Kontakte entstehen.
Bei dem Projekt „Gebt den Kindern (k)einen Korb“ ist eine gelungene Zusammenarbeit zwischen Schule und Sportverein entstanden. Sie bietet Kindern und Jugendlichen ein bewegungsfreundliches und ganzheitliches Umfeld.
Es ist manchmal schwierig, bei uns auf dem Land dauerhafte Strukturen aufzubauen. Mit diesem Konzept hat es die Kooperation von Schule und Verein geschafft, sich innerhalb eines Jahres erfolgreich zu etablieren. Vielen Dank und herzlichen Glückwunsch.
Damit kommen wir zum Sieger, der die Jury am meisten beeindruckt hat. Platz eins mit einem Preisgeld von 400 € bekam die Aktionsgruppe der Messdiener mit ihrem Projekt „Der Berg ruft!“. In der Pfarreiengemeinschaft Blankenrath, Strimmiger Berg, Grenderich und Tellig gibt es insgesamt ca. 130 Messdiener.
2008 schlossen sich 18 junge Messdienerinnen und Messdiener im Alter von 15-18 Jahren zu einer Aktionsgruppe Messdiener zusammen. Seitdem sind noch 7 weitere Messdiener hinzugekommen. Der Bund deutscher Katholischer Jugend veranstaltete im Mai letzten Jahres zum wiederholten Male die Sozialaktion 72 Stunden. Ziel der 72 Stunden Aktion ist es innerhalb von 72 Stunden ein gemeinnütziges und soziales Projekt innerhalb der Gemeinde zu realisieren.
Abends um 17:07 Uhr erfuhr die Gruppe ihre Projektaufgabe. Die Aufgabe lautete: Errichtung eines Cafes und Bistro“ in der Drogen-Fachklinik Hanosiusmühle. Dazu gehörten dann Wandanstrich, die kreative Gestaltung der Räume, Einrichtungsmobiliar besorgen und selber bauen (Theke, Tische, Stühle). Zudem wurde auch die Planung, Organisation und Durchführung des Einweihungsfestes von der Jugendgruppe übernommen. Die offizielle Einweihungsfeier begann schon sonntags um 14:30 Uhr mit spirituellem Impuls und Einsegnung, Grußworten und anschließendem gemütlichen Beisammensein mit Kaffee, Kuchen, Cocktails (ohne Alkohol) und Musik.
Weitere Aufgabe war die Sanierung der Wege zur Hanosiusmühle, also die Ausbesserung der Schlaglöcher mit Schotter und das Wegschild neu gestalten und anbringen. Abschließend sollte noch eine Logowand erstellt werden an der alle Firmen standen, die Geld oder Material gesponsert hatten.
Gemeinsam mit den Patienten der Hanosiusmühle hatten die Jugendlichen die Verantwortung für das gesamte Projekt übernommen und getragen. Insgesamt sammelten sie Spenden in Höhe von knapp 2000 €, zusätzlich zahlreiche Materialspenden. Sämtliche Werkzeuge und Bauhilfen mussten ausgeliehen bzw. organisiert werden. Die Aktionsgruppe „Der Berg ruft“ arbeitete Hand in Hand mit den Bewohnern der Hanosiusmühle zusammen. So wurde innerhalb von 72 Stunden ein komplettes Cafè eingerichtet, die Zufahrtswege verbessert und eine schöne Einweihungsfeier organisiert.
Aus eigener Anschauung bei einem Besuch während der 72 Stunden kann ich die tolle Arbeit und das Engagement aller Jugendlichen nur bestätigen. Dies gilt im Übrigen auch für alle 72-Stunden-Aktionen, welche im letzten Jahr stattfanden und von denen ich sehr beeindruckt war.
Liebe Preisträger, verehrte Gäste, die Darstellung der einzelnen Projekte zeigt, wie bedeutsam Ihr Engagement für unsere Verbandsgemeinde ist. Vielen Dank! Mit dem heutigen Tag und den Preisen möchten wir Ihnen zeigen, welchen Respekt und welche Hochachtung wir Ihrem Engagement entgegenbringen.
Daher möchten wir Ihr Engagement mit dieser Preisverleihung auch der Öffentlichkeit präsentieren und wir erhoffen uns, dass davon noch mehr Menschen zum Nachmachen anregt werden, das ihr Beispiel mitreißt. Ich bin stolz, dass Sie sich und so viele andere, die hier nicht persönlich genannt werden, in dieser vorbildlichen Art und Weise ehrenamtlich engagieren.
Vielen Dank und herzlichen Glückwunsch. – Bitte machen Sie weiter so!!!
|