Verbandsgemeinde Zell
Einweihung der Kläranlagen Sosberg und Forst PDF Drucken E-Mail

Redebeitrag Bürgermeister Karl Heinz Simon
Inbetriebnahme der Kläranlagen Sosberg und Forst
am 13. Mai 2004 um 14 Uhr

Ich freue mich, dass Sie unserer Einladung zur offiziellen Inbetriebnahme der beiden
Kläranlagen hier in Sosberg und in Forst gefolgt sind. Herzlich Willkommen!
Mein ganz besonderer Gruß gilt Ihnen, Herr Staatssekretär Hering vom Ministerium
für Umwelt und Forsten des Landes Rheinland-Pfalz. Herzlichen Dank, daß Sie hier
nach Sosberg gekommen sind und im Anschluss noch ein Grußwort zu uns zu
sprechen
Ebenso gilt ein Willkommensgruß Frau Landtagsabgeordnete Heike Raab. An Sie
darf ich gleichzeitig ein Wort des Dankes für Ihren Einsatz im Mainzer Landtag für
unsere Region aussprechen.
Ein herzlicher Willkommensgruß gilt auch Ihnen, Frau Vizepräsidentin Starke von der
Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord in Koblenz, sowie ihren heute
anwesenden Mitarbeitern. Mit Ihrer Behörde, Frau Starke, verbindet uns in
wasserrechtlichen Fragen eine kontinuierliche Zusammenarbeit. Deshalb freue ich
mich, daß Sie heute vor Ort sind und sich von den praktischen Ergebnissen dieser
Zusammenarbeit überzeugen.
Begrüßen möchte ich für den Landkreis Cochem-Zell in Vertretung des Landrates
Herrn Kreisbeigeordneten Jürgen Sehn.
Ein herzliches Willkommen gilt aber auch den Herren Beigeordneten und
Fraktionsvorsitzenden sowie allen Mitgliedern des Verbandsgemeinderates und des
Werkausschusses unserer Verbandsgemeinde. Ihnen gilt an dieser Stelle mein
besonderer Dank für die Bereitstellung der erforderlichen Haushaltsmittel für die
beiden Projekte.
Zu der Inbetriebnahme solcher zwar von der Verbandsgemeinde erbauten und
betriebenen, aber letztlich doch Anlagen der örtlichen Infrastruktur gehören die
Vertreter der betreffenden Ortsgemeinden mit dazu.

Ich begrüße daher Herrn Ortsbürgermeister Lehnert sowie die Ratsmitglieder von
Sosberg ebenso wie Herrn Ortsbürgermeister Kölzer und die Mitglieder des
Gemeinderates von Forst. Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung bei diesen beiden
Projekten und herzlich willkommen.
Gerne hätte ich auch einen Vertreter der seinerzeitigen Bürgerinitiative aus Sosberg,
welche in Zusammenhang mit dem Bau der Kläranlage entstanden ist und welche
die Planungs- und Bauphase immer wieder – und das in einem positiven Sinne –
kritisch begleitet und Anregungen gegeben hat, hier unter uns begrüßt. Der
miteinander geführte Dialog, die Offenheit und Transparenz bei
Entscheidungsprozessen hat sicherlich deutlich gemacht, daß wir diese Begleitung
durch die Bürgerinitiative nicht als Einmischung betrachtet haben, sondern als
offenen Dialog mit dem Ziel eines bestmöglichen Ergebnisses.
Willkommen sind uns auch die Vertreter der Planungsbüros, Herrn Dr. Garth von
Spoo & Partner, Herrn Briesch von Daners & Dühr, sowie die am Bau beteiligten
Firmen. Besonders erwähnen möchte ich die Vertreter der Firma Marx und der Firma
Heidelberger Stein GmbH & Co KG und ihnen gleichzeitig für die gute
Bausausführung danken.
Einen besonderen Dank spreche ich aber auch allen Bürgerinnen und Bürgern aus,
die durch die laufenden Gebühren belastet werden und so die Finanzierung dieses
Vorhabens - wie auch der bisherigen - erst ermöglicht haben.
Last – but not least – gilt mein Gruß Herrn Uhrmacher von der Rhein-Zeitung.
Herzlichen Dank, dass Sie gekommen sind, um über dieses Ereignis zu berichten.
Haben Sie, meine sehr verehrten Damen und Herren, schon mal eingehend darüber
nachgedacht, was eigentlich mit dem Wasser passiert, das Sie täglich verbrauchen
bzw. benutzen. Wohl kaum.
Klar, wer hat sich nicht schon einmal über die hohen Abwasser- und Müllkosten
geärgert, aber die Entsorgung betrachten wir wie so vieles in unserer Industrie- und

Technikgesellschaft als selbstverständlich und das werden schon die verrichten, die
dafür zuständig sind.
Und weil wir, die Verantwortlichen, diese Aufgabe sehr ernst nehmen und unserer
Verantwortung sowohl den Bürgern, als auch der Umwelt gegenüber gerecht
werden, sind diese beiden Kläranlagen entstanden, die wir heute offiziell in Betrieb
nehmen.
Bisher war hier in der Gemeinde Sosberg noch keine zentrale Kläranlage vorhanden.
Das angefallene Schmutzwasser wurde nach Teilreinigung in Hauskläranlagen in
örtliche Bäche eingeleitet.
Die 1994 erteilte Einleitungserlaubnis enthielt aufgrund wasserrechtlicher Vorgaben
die Anordnung, diese Einleitungen1 aufzugeben und das Abwasser einer
biologischen Kläranlage zuzuführen. 2 3
Im Zuge der Abwassermaßnahmen im Hunsrückteil der Verbandsgemeinde wurde im
September 2000 dem Ingenieurbüro Daners & Dühr aus Koblenz der Auftrag zur
Planung einer technischen Kläranlage für die Gemeinde Sosberg erteilt. Als Standort
für die Kläranlage wurde gemeinsam mit der Gemeinde und den Fachbehörden das
jetzige Grundstück ausgewählt.
In der Werkausschuss-Sitzung im April 2001 stellte das Ingenieurbüro verschiedene
Kläranlagensysteme (Pflanzenbeetkläranlage und Technische Kläranlage) vor. In
Abstimmung mit einer zwischenzeitlich sich gebildeten Bürgerinitiative, welche sich
für eine Pflanzenkläranlage einsetzte, wurde eine Entscheidung jedoch
zurückgestellt und beschlossen, mit der Besichtigung von Pflanzenkläranlagen sich
über deren Vor- und Nachteile näher zu informieren.
Zu diesen Besichtigungen wurde auch ein Vertreter der BI mit eingeladen. Aufgrund
der dabei gewonnenen Erkenntnisse und weiterer Informationen beschloss der
1 bis Ende 2000
2 Diese Frist wurde zweimal, letztlich bis zum 31.12.2003 verlängert.
3 Das Abwasserbeseitigungskonzept für die Verbandsgemeinde Zell (Mosel) sah für das Jahr 2002 den Bau einer
Kläranlage in Sosberg und die Verlegung einer neuen Ortskanalisation vor.

Werkausschuss, zwar eine Pflanzenkläranlage ausschreiben zu lassen, gleichzeitig
aber ausdrücklich Nebenangebote für technische Kläranlagen zuzulassen.
Damit wurde eine Offenheit für beide Lösungsmodelle formuliert und die
unterschiedlichsten Anbieter ermuntert, sich ergebnisoffen um die Arbeiten zu
bewerben. Es bestand Einigkeit, sich später für die wirtschaftlichste Lösung zu
entscheiden.
Die Prüfung und Wertung der Angebote ergab dann, dass die Firma Hornbach, jetzt
Heidelberger Stein GmbH mit einer technischen Kläranlage das preisgünstigste
Angebot abgeben hat. Auch die Berechnung der Projektkostenbarwerte, also die
langfristige Betrachtung der Wirtschaftlichkeit incl. der Re-Investitionskosten führte
zum gleichem Ergebnis.
Daher erteilte der Werkausschuss am 25.07.2002 den Auftrag für den Bau einer
zentralen Kläranlage in der Gemeinde Sosberg an die Firma Heidelberger Stein
GmbH.
Nachdem die entsprechenden Genehmigungen dann vorlagen, konnte im Februar
2003 mit den Bauarbeiten für die Kläranlage begonnen werden. Sie gingen unter der
Bauleitung des Ingenieurbüros Daners & Dühr planmäßig voran. Mitte Oktober 2003
wurden die Bauarbeiten im Wesentlichen so fertig gestellt, dass die Kläranlage in
Betrieb genommen werden konnte.
Die Kläranlage in Sosberg ist bemessen und ausgelegt für 220 Einwohner und
Einwohnergleichwerte. Ersparen Sie es mir bitte, auf die einzelnen
Anlagebestandteile 4 – sie sind alle leicht zu überblicken – sowie auf die
Überwachungswerte 5 des gereinigten Abwassers einzugehen. Bei Interesse werden
Sie unsere Mitarbeiter gerne auch darüber informieren.
4 Die KA besteht aus folgenden Anlageteilen: Verteilerbauwerk, Regenüberlaufbecken (der Kläranlage vorgeschaltet), Schacht
mit Zulaufdrossel, Betriebsgebäude mit Rechenraum, Gebläseraum und Schaltwarte sowie Sanitäreinrichtungen,
Rundsandfang, Kompaktbecken/Kombibecken für Belebung und Nachklärung, Ablaufmengenmessung, Schlammspeicher

Die Überwachungswerte für das gereinigte Abwasser sind im Erlaubnisbescheid der Struktur- und Genehmigungsdirektion
Nord wie folgt festgelegt:
Parameter Konzentration
mg/l
Chemischer Sauerstoffbedarf (CSB) 50
5
Mit der Einhaltung dieser Überwachungswerte liegt die Reinigungsleistung der neuen
Kläranlage jedoch weit über den Anforderungen, die nach den geltenden
Umweltbestimmungen an eine Kläranlage dieser Größenklasse gestellt werden. Der
bei der Abwasserreinigung anfallende Klärschlamm wird so behandelt und entwässert,
dass er zur Verwertung in der Landwirtschaft abgegeben werden kann.
Die Baukosten für die Kläranlage Sosberg betragen rd. 774.000 EUR. Das Land
Rheinland-Pfalz hat der Verbandsgemeinde für den Bau der Kläranlage und der
Verbindungssammler ein Landesdarlehen in Höhe von 472.000 EUR, dies sind 80 v.
H. der förderungsfähigen Kosten von 590.000 EUR, gewährt.
Lassen Sie mich bitte auch noch einige Sätze zur Pflanzenkläranlage Forst sagen.
Wir werden nachher noch Gelegenheit haben, diese Anlage zu besichtigen.
In der kleinen Gemeinde Forst war bis Ende Oktober 2002 eine 1957 erbaute
Kläranlage mit ausschließlich mechanischer Reinigungsstufe in Betrieb. Auch hier
bestand die Notwendigkeit, die Einleitung den wasserrechtlichen Bedingungen
anzupassen 6.
Die vom Ingenieurbüro Spoo & Partner aus Bernkastel-Kues Ende 2000
durchgeführte Wirtschaftlichkeitsuntersuchung ergab, dass aufgrund der
topographischen Situation eine Einzelkläranlage als Pflanzenkläranlage für die
Gemeinde Forst die wirtschaftlichste Lösung darstellt.
Nach Planung, Genehmigung und Ausschreibung wurde im Juli 2002 der Auftrag für
den Bau der Pflanzenkläranlage an die Firma Marx aus Konz vergeben und bereits
am 05. August 2002 fand der erste Spatenstich statt. Die Bauarbeiten wurden zügig
durchgeführt und Anfang November 2002 im Wesentlichen so fertiggestellt, dass die
Pflanzenkläranlage schon am 11.11.2002 in Betrieb genommen werden konnte.
Biochemischer Sauerstoffbedarf (BSB 5) 10
Stickstoff gesamt anorganisch (Nges.) 20
Phosphor gesamt (Pges.) 8
6 bis zum Stichtag 31.12.2005

Die Pflanzenkläranlage ist bemessen und ausgelegt für 100 Einwohner und
Einwohnerwerte. Sie besteht im wesentlichen 7 aus 2 Vertikal-Pflanzenbeeten mit je
138 m² sowie einem Horizontal-Pflanzenbeet mit 420 m². Daneben befinden sich zur
Aufnahme des gesamten in der Ortslage Forst anfallenden Niederschlagswassers
zwei in Reihe geschaltete Rückhalte/-versickerungsbecken.
Das der Kläranlage zugeführte Schmutzwasser durchläuft eine mechanische
Grobabsiebung, eine Vor- und eine Hauptreinigungsstufe. 8 Bei der Vorreinigung wird
das mechanisch vorgereinigte Schmutzwasser auf das Schilfbeet aufgebracht. Die
organischen Feststoffe sedimentieren an der Oberfläche des Filterkörpers und
werden biologisch zu einem Erdsubstrat umgewandelt. Somit entfällt hier die
Klärschlammentsorgung.
Bei der vertikalen Durchströmung des Filterkörpers findet bereits eine erste biologische
Behandlung des Schmutzwassers statt. Die Hauptreinigungsleistung erfolgt
im nachgeschalteten und horizontal durchflossenen Hauptbeet. Das so mechanisch
und biologisch gereinigte Abwasser wird durch eine Rohrleitung über einen Graben
dem Meisbach zugeführt.
Die Baukosten für die Pflanzenkläranlage betragen rd. 410.000 EUR. Auch hier
erhielten wir vom Land Rheinland-Pfalz ein Landesdarlehen in Höhe von rd. 204.517
EUR, auch hier 80 v. H. der förderungsfähigen Kosten.
Die übrigen Baukosten für beide Anlagen werden, weil in der Verbandsgemeinde Zell
(Mosel) einmalige Beiträge für gemeinschaftliche Anlagen nicht erhoben werden,
7 Beschreibung der Pflanzenkläranlage:
Sie besteht aus folgenden Anlageteilen: Betriebgebäude in Holzbauweise, Siebschnecke (im Betriebsgebäude
mit untergebracht), 2 Vertikal-Pflanzenbeete mit je 138 m², 1 Horizontal-Pflanzenbeet mit 420 m²,
Ablaufmengenmess- und Probenahmeschacht, Mengenmessung (Thomson-Messwehr)
8 Wasserrechtliche Überwachungswerte:
Die Überwachungswerte für das gereinigte Abwasser sind im Erlaubnisbescheid der SGD Nord wie folgt festgelegt:
Parameter Konzentration
mg/l
Chemischer Sauerstoffbedarf (CSB) 80
Biochemischer Sauerstoffbedarf (BSB 5) 20
Stickstoff gesamt anorganisch (Nges.) 35
Phosphor gesamt (Pges.) 8

durch die Aufnahme von Kreditmarktmitteln und damit letztlich über die lfd.
Schmutzwassergebühren und wiederkehrenden Beiträge finanziert.
Wir haben nun zwei neue Kläranlagen mit ausreichender Kapazität und sind für die
Zukunft gerüstet. Mit der Fertigstellung dieser beiden Anlagen hat die
Verbandsgemeinde Zell (Mosel) einen weiteren Schritt zur Erst- und
Grundausstattung getan und ist dem umweltpolitischen Ziel einer hohen
Gewässergüte näher gekommen.
Von den rd. 17.200 Einwohner unserer Verbandsgemeinde sind 98,2 % 9 an die
öffentliche Kanalisation sowie 86,8 % 10 an öffentliche Kläranlagen mit biologischer
Reinigungsstufe angeschlossen.
Biologische Reinigungsstufen fehlen uns dann noch für die Orte Altlay, Peterswald-
Löffelscheid und Liesenich sowie mehrere kleine Ortsteile bzw. Einzelgehöfte. Auch
hier sind die Planungen bereits eingeleitet bzw. abgeschlossen und wir warten nur
noch auf das Baurecht, um loslegen zu können.
Seit Bildung des Eigenbetriebes in unserer Verbandsgemeinde sind bis jetzt vom
Abwasserwerk und damit den Bürgerinnen und Bürgern knapp 36 Millionen Euro in
die öffentliche Abwasserbeseitigung und damit in den Umweltschutz investiert
worden. Wir wissen daher auch: Umweltschutz, die Erhaltung unserer natürlichen
Lebensgrundlagen und Ressourcen haben ihren Preis.
Sie sind nicht zum Nulltarif zu haben. Sie belasten unserer Bürgerinnen und Bürger
mit nicht unerheblichen öffentlichen Abgaben. Wir sind aber auch unseren
nachfolgenden Generationen verpflichtet, diese Mittel heute aufzuwenden und nicht
offene Rechnungen zu hinterlassen.
9 Dies sind 16.878 Einwohner
10 dies sind 14.290 Einwohner

Wir alle wissen aber auch, auch eine noch so gute Kläranlage entbindet nicht von der
Verpflichtung zu umweltbewussten Verhalten. Die beste Vorsorge besteht darin,
schädliche Stoffe erst gar nicht entstehen zu lassen, geschweige denn sie zu
produzieren.
Wir als Verbraucher haben es in der Hand, schädliche Stoffe wenn möglich gar nicht
oder zumindest sehr sparsam zu verwenden. Beispielsweise gehören alte
Medikamente, Farben, Lacke oder Lösungsmittel, weder in den Ausguss noch in die
Toilette, sondern zur Problem-Müll-Sammelstelle.
Ich denke jeder von uns weis, dass Wasser knapp ist und jeder Eingriff in den
Wasserhaushalt überlegt sein muss. Jeder Einzelne von uns kann dazu seinen
Beitrag leisten.
In diesem Sinne übergebe ich die Anlagen hiermit offiziell ihrer Bestimmung. Ich
hoffe, dass sie stets störungsfrei ihren Dienst zum Wohle von Mensch und Natur
verrichten werden.

 
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