Verbandsgemeinde Zell
Vernissage mit Bildern von Wilfried Eickhorst im Schloss Zell PDF Drucken E-Mail
Eröffnungsansprache Bürgermeister Karl Heinz Simon - Ausstellung mit Gemälden von  Wilfried Eickhorst am 30.11.2008 im Schloss Zell

Ich darf Sie heute am ersten Adventsonntag recht herzlich hier zur Vernissage mit Aquarellen von Wilfried Eickhorst willkommen heißen.

Wenn ich mich so umschaue, dann stelle ich fest, dass sich eine feste Gemeinde von Kunstinteressierten gebildet hat, welche regelmäßig die angebotenen Ausstellungen besucht.

Und dies ist das Schöne: Dass wir hier im Schloss Zell immer wieder – dank Ihnen, liebe Frau Schneider - die Gelegenheit haben, schöne   Dinge   in   einem   ansprechenden   Ambiente   zu genießen. Ich finde immer wieder, dass dieses  alte Gemäuer nicht nur eine Geschichte hat, das kulturhistorische Gebäude in Zell an sich ist, sondern darüber hinaus eine hervorragende Kulisse auch für moderne Kunst darstellt, welche hier eine wunderbare Wirkung entfaltet.

Sind Sie sich eigentlich dessen bewusst, liebe Gäste, dass Sie zu einem wirklich privilegierten Kreis von Menschen gehören?  Warum? werden Sie fragen? Ganz einfach: „Am Schaffen der Künstler teilzunehmen ist eine Art Luxus. Für den Liebhaber besteht diese Teilnahme im Besuch von Ausstellungen.“ 

Dies behauptet der ehemalige Leiter des Museums für moderne Kunst in Frankfurt am Main, Jean-Christophe Ammann. Und die Museumsleute, gesteht Ammann, seien gar auf das  Gespräch mit dem Künstler angewiesen; der Besuch im Atelier gleiche einem Weg ins Labor eines Forschers.

Kunst also nicht nur als Luxus für Kenner oder, trivialer, als Dekorationselement in Wohn- oder Geschäftsräumen, sondern auch Kunst als Abenteuer Forschung?  Ja – ich denke, das ist so!

Ein Bild entsteht nicht allein inspiriert durch e i n Ereignis oder e i n bestimmtes Motiv, sondern es zeigt die Auseinandersetzung des Künstlers mit einem Thema, seine ganz persönliche Stellungnahme mit von ihm gewählten Mitteln und ist Ausdruck seines Bedürfnisses, hinter die Dinge zu blicken. Also ist Malen wirklich ein Abenteuer – eine Forschungsprojekt, bei dem man auch das Ziel, das Ergebnis der Forschung, am Anfang nicht hundertprozentig überblickt.

Dabei ist Malen ja gar nicht schwierig, solange man – wie es Laien wir mir ergeht - nichts davon versteht. Wenn man aber diese Kunst begriffen hat, dann wird man hart gefordert.

Lassen Sie mich bitte ein paar Worte zum Künstler sagen:

  • Wilfried Eickhorst wurde 1937 hier in Zell geboren. Er ist also ein richtiger Zeller, hier in Zell zuhause, auch wenn er heute in der Nachbarschaft, in Bullay, lebt.
  • In Köln studierte er Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und übernahm in seiner beruflichen Laufbahn leitende Tätigkeiten in der kaufmännischen Verwaltung. 
  • 1990, also mit 63 Jahren, begannen seine ersten Malversuche in Aquarell.

„Du selbst musst deine Umwelt gestalten. Du kannst nicht auf die Obrigkeit und auf Erlaubnis warten“, hat Friedensreich Hundertwasser einmal gesagt. Wilfried Eickhorst hat nicht gewartet und hat selbst die Gestaltung seiner Umwelt in die Hand genommen. Und wie wir heute sehen können, tut er dies seitdem mit großem Erfolg.

Seit Beginn seiner Malerei besuchte er zahlreiche Malkurse im In- und Ausland, so auch an der Europäischen Akademie für Bildende Kunst. Bereits 1997 hatte Wilfried Eickhorst dann seine erste Ausstellung hier im Schloss Zell. Seitdem folgten zahlreiche Ausstellungen an der Mosel, im Rheinland und auch in der Toskana.

Wilfried Eickhorst ist heute ein erfahrener Aquarellmaler mit fundierter Ausbildung. Er selbst malt mit Begeisterung, gibt Kurse und möchte auch bei anderen die Freude am Aquarell wecken sowie die Leichtigkeit und Spontaneität vermitteln.

Ganz besonders erwähnen möchte ich auch seine Malkurse in Zusammenarbeit mit der Grundschule in Bullay und auch sein Mitwirken im Ferienprogramm der Verbandsgemeinde Zell für Kinder und Jugendliche. Herzlichen Dank für dieses Engagement!

Wie sieht er sich jedoch selbst? Wilfried Eickhorst selbst sagt von sich:
  • Ich male, um wieder richtig sehen zu lernen und möchte in diesem Sinn beim Malen begleiten.
  • Sehen wie es Jose Ortega Gasset sagte: „Alles ist merkwürdig und wunderbar für ein paar wohl geöffnete Augen.“
  • Oder wie der berühmte Satz von Antoine de St. Exuperie im kleinen Prinzen: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das wesentliche ist für das Auge unsichtbar.“

Was Wilfried Eickhorst ihnen heute vorstellen möchte, sind seine neuen Aquarelle; ist das Ergebnis intensiver Schaffenskraft.  Was würde seine Arbeit auch für einen Sinn machen, wenn er sich mit seinen Werken, die er geschaffen hat, verstecken würde. 

Wir sehen seine Auseinandersetzung mit der bildenden Kunst. Die Umsetzungen seiner visuellen Wahrnehmungen, der Augenblickseindrücke  in der Natur und mit Gegenständen, in bunte Bilder. Wir erleben seine Technik, seine Ausdruckskraft, die Lebendigkeit und das Spiel mit Licht und Schatten in seinen Bildern.

Eine Vernissage hat jedoch nicht nur etwas mit Sehen zu tun. Ich denke, allein in Worten zu skizzieren, was mit den Bildern gedacht ist, ist sehr schwierig. Die Bilder sprechen in einer eigenen Sprache. Eingefangene Augenblicke, Stimmungen, sie reden in einer Sprache, welche uns auf visueller und emotionaler Ebene ansprechen.

Eigene Assoziationen, eigene innere Bilder, eigene Gefühle werden geweckt. Symbole, Farben, Kompositionen und Formen spielen in ihrem Zusammenwirken eine Melodie, welche in jedem eine andere Resonanz auslöst.

Der große Denker Augustinus hat es so ausgedrückt: „…jedem erscheint es in gleicher Weise, doch dem einen bleibt es stumm, zum andern redet es. Vielmehr: es redet zu allen, aber die allein verstehen es, die das Vernommene von draussen drinnen mit der Wahrheit, die dort ist, zusammenbringen.“

Jedes Bild verlangt von uns als Betrachter somit ein Verweilen und ein Nachdenken in einer ansonsten so hektischen Zeit.

Es verlangt, unsere alltägliche Anfälligkeit für vordergründige Effekte zu überwinden und das Objekt länger zu betrachten und zu durchleuchten, um es dann mit eigenen Augen zu „sehen“ und zu verstehen. 

So genug der Theorie. Machen Sie sich selbst ein „Bild“ von den Bildern und nutzen Sie die Gelegenheit, ihre Eindrücke mit dem Künstler Herrn Eickhorst sowie untereinander auszutauschen.

Lassen Sie uns beherzigen, was die Sopranistin Jessye Norman gesagt hat: „Ich finde, wir sind verpflichtet, die Kunst in all ihren Formen zu erforschen“!

Recht hat sie: Und darum lade ich Sie nun ein, dies zu tun.

Ich wünsche der Ausstellung schon heute viele Besucher und Ihnen, liebe Gäste, eine besinnliche Adventszeit.


 
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