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Grußwort Bürgermeister Karl Heinz Simon
Anlässlich dem 1. Hospiztag Cochem-Zell
Am 19.11.2000
Als mich die Vorsitzende des Christlichen Hospizvereines Cochem-Zell, Frau Schug, vor einiger Zeit gebeten hat, die Schirmherrschaft über den heutigen Hospiztag im Landkreis Cochem-Zell zu übernehmen, bin ich dieser Bitte sehr gerne nachgekommen.
Dies umso mehr, als der Hospizverein Cochem-Zell kein Verein ist wie jeder Andere, sondern sich in seiner Zielsetzung sehr deutlich von vielen unterscheidet. Nicht die gemeinsame Freizeitgestaltung, die Pflege unserer Kultur, des Sports oder ähnlichem sind die Ziele, sondern gänzlich andere Werte bestimmen Inhalt und Ziele dieses Vereines.
Themen wie Jugend, Schönheit, Leistungsfähigkeit sind in unserer Gesellschaft tagtäglich und werbewirksam in aller Munde. Der Tod und das Sterben hingegen werden totgeschwiegen, spielen in der öffentlichen Diskussion wenn überhaupt, dann eine untergeordnete Rolle. Aber auch das Sterben gehört zum Leben! Daher braucht auch dieses Thema Öffentlichkeit und Sterbende brauchen Menschen, die ihnen beistehen.
"Hospiz" kommt vom lateinischen "Hospitum" und bedeutet "Herberge". "Hospiz" ist eng verwandt mit dem auch aus dem Mittelalter stammenden Begriff "Hospital", dem Krankenhaus, letztlich einer Herberge für Kranke. Mit diesen sprachlichen Überlegungen ist schon einiges gesagt über die sich seit einigen Jahren in Deutschland ausbreitende und auch sehr erfreulich entwickelnde Hospizbewegung.
Heute versteht man unter dem Begriff "Hospiz" ein umfassendes Konzept.
Es ist die Haltung, die dem sterbenden und trauernden Menschen in der festen Überzeugung Annahme und Geborgenheit vermittelt, dass sie bis zuletzt wertvolle Mitglieder der Menschengemeinschaft sind.
Viele unserer Mitmenschen leiden heute schon mitten im Leben unter Verlassensein und Einsamkeit. Ohne Zuwendung, Hilfe und Betreuung am Ende des Lebens zu sein, ist eine schwere Last. Der Einsatz der Hospizhelferinnen und -helfer für Menschen mit diesem Schicksal muss daher besonders hoch eingeschätzt werden.
Sterbenskranke Menschen sollen auch in ihrer letzten Lebensphase daheim sein können. Die Tätigkeit der Hospizhelferinnen und Helfer geschieht daher in der Regel ambulant, d.h. wirklich in der eigenen Wohnung durch Besuchsdienste. Es kann aber auch durch speziell eingerichtete Zimmer in Krankenhäusern und Pflegeheimen geschehen.
Hospizarbeit will Menschen seelische Herberge bieten in schwerer Erkrankung, häufig unter der Perspektive des Sterbens, und sie will so aus Krankenhäusern wieder Herbergen, in denen sich Kranke und Sterbende geborgen fühlen können, machen.
Hospiz nimmt damit weder Ärzten noch Schwestern etwas von ihren Aufgaben, aber es kann diese Fachpersonen in ihrer schweren Verantwortung der Begleitung von Sterbenden unterstützen und entlasten.
Das Erfreuliche an der Hospiz-Bewegung ist aber auch, dass sie ganz wesentlich auf der ehrenamtlichen Tätigkeit von geschulten Helfern beruht, die sich zur Verfügung stellen, um mit kranken Mitmenschen zusammen zu sein, hinzuhören, ein Stück Weges gemeinsam zu gehen, damit für sie dazusein.
Das Schenken von Zeit ist gerade heute eine äußerst wertvolle Gabe, zumal das Gut Zeit unter dem ständig wachsenden Rationalisierungsdruck in den Krankenhäusern, aber auch überall in der Gesellschaft, zunehmend knapper wird. Ehrenamtliche Tätigkeit ist zudem etwas, was in einer modernen Bürgergesellschaft unverzichtbar ist, soll ein Gemeinwesen gelingen.
Hospiz ist aber auch eine bewusste Wertentscheidung - die Entscheidung, jeden Menschen jederzeit als einzigartig und wertvoll ernst zu nehmen. Auch das Sterben in Menschenwürde wird als Teil des Lebens akzeptiert und bewusst gelebt, statt sich durch "Sterbehilfe" vor schmerzlichen Situationen zu drücken.
Mancher mag skeptisch denken: Was mischt sich ein Hospizverein in urpersönliche Dinge eines Patienten ein? Falsch! Hospiz mischt sich nicht ein, Hospiz wird gerufen und ist einfach da, als Angebot zum Gespräch. Ein aus meiner Sicht sehr wichtiges Angebot!
Ich möchte es mit diesen kurzen Ausführungen im Rahmen meines Grußwortes bewenden lassen. Dass auch hier im Landkreis Cochem-Zell sich engagierte Menschen diesem Gedanken verbunden fühlen, ist für mich eine erfreuliche Entwicklung.
Es war für mich daher eine Selbstverständlichkeit, dieses Engagement durch die Übernahme der Schirmherrschaft für den heutigen Hospiztag zu unterstützen.
Ich wünsche dem Christlichen Hospizverein Cochem-Zell, dass die mit dem heutigen Hospiztag verknüpften Erwartungen, den Menschen im Landkreis Cochem-Zell den Hospizgedanken näher zu bringen, in Erfüllung gehen mögen.
Da mir bewusst ist, dass bei allem ehrenamtlichen Engagement auch die Tätigkeit des Hospizvereines Cochem-Zell ohne materielle Unterstützung nicht leistbar ist, erlaube ich mir, ihre Arbeit durch einen kleinen Beitrag der Verbandsgemeinde Zell auch finanziell zu unterstützen.
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