Verbandsgemeinde Zell
Ansprache zum Bundeswehr-Gelöbnis PDF Drucken E-Mail


Rede Bürgermeister Karl Heinz Simon am 13. Juni 2001
anlässlich Feierliches Gelöbnis der Bundeswehr in Zell (Mosel)


Liebe Soldaten,
Sie sind hier in Zell angetreten um heute feierlich zu geloben, der Bundesrepublik
Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer
zu verteidigen.
Zu diesem besonderen Anlass darf ich Sie, liebe Soldaten, Vom Fernmelderegiment 920
aus Kastellaun, Vom Fernmelderegiment 930 aus Gerolstein, Von der 2. Kompanie des
Führungsunterstützungsregiments 40 in Kastellaun sowie Vom
Fernmeldeaufklärungsregiment 940 aus Daun, im Namen der Stadt Zell und Ihres
Bürgermeisters, Herrn Jürgen Bamberg, sowie im Namen der Verbandsgemeinde Zell
(Mosel) herzlich hier willkommen heißen.
Ebenso herzlich begrüßen darf ich natürlich alle hier anwesenden Vertreter der
Bundeswehr. Besonders erfreut bin ich darüber, dass Sie, Herr Brigadegeneral
Schweinsteiger, als stellvertretender Befehlshaber des Wehrbereiches, hier anwesend
sind, um aus vorrangig persönlichen Gründen an dem Gelöbnis hier in Zell teilzunehmen.
Herzlich willkommen in der Verbandsgemeinde Zell (Mosel).
Namentlich begrüßen möchte ich ferner insbesondere Herrn Regimentskommandeur
Oberstleutnant Hanika vom Fernmelderegiment 920 sowie als Vertreter der Brigade Herrn
Oberstleutnant Berken.
Ganz besonders freue ich mich aber, dass viele Eltern und Angehörige der Rekruten zu
diesem Feierlichen Gelöbnis gekommen sind. Mit Ihrer Anwesenheit beweisen Sie Ihre
Verbundenheit mit den Soldaten der Bundeswehr und stützen die Entscheidung Ihrer
Söhne, Partner und Freunde, Wehrdienst zu leisten und damit Verantwortung für Andere
zu übernehmen.
Ich freue mich aber auch über die zahlreichen Bürgerinnen und Bürger, die heute den
Weg hierher gefunden haben. Mit dieser Geste bringen Sie, liebe Mitbürgerinnen und
Mitbürger, zum Ausdruck: Die Bundeswehr steht in unserer Mitte - sie ist in unserer
Gesellschaft fest verankert. Dies möchte ich auch ganz persönlich unterstreichen! Diese
Wertschätzung und Anerkennung durch die Öffentlichkeit sind wichtig für die Soldaten. Sie
geben ihnen Rückhalt; den Rückhalt, den sie für ihren anspruchsvollen und schwierigen
Dienst brauchen und den Sie auch verdient haben.

Eigene Bundeswehr-Zeit
Anrede,
Ich freue mich, dass ich heute erstmals die Gelegenheit habe, anlässlich eines Feierlichen
Gelöbnisses zu den Rekruten der Bundeswehr sprechen zu können. Für mich persönlich
ist die heutige Ansprache keine Pflichtübung, sondern eine besondere Ehre. Meine Freude
ist natürlich umso größer, als heute auch die jungen Wehrpflichtigen des
Fernmeldeaufklärungsregiments 940 aus Daun in der Eifel hier ihr Gelöbnis ablegen. Dies
ist die Einheit, bei welcher auch ich vor jetzt 23 Jahren meinen Wehrdienst geleistet habe
und 15 Monate, wie man so sagt, „gedient“ habe! Ich kann Ihnen versichern, liebe
Wehrpflichtige aus Daun, dass Sie dort eine interessante Tätigkeit ausüben werden, auch
wenn die Tätigkeit heute sich sicherlich ganz anders darstellt als zu Zeiten meines
Wehrdienstes.
Gelöbnis in Zell + Patenschaft
Anrede,
Ich freue mich aber auch besonders, und darf dies sicherlich auch im Namen des Rates
der Verbandsgemeinde Zell (Mosel) und der Stadt Zell, aussprechen, dass dieses
Feierliche Gelöbnis heute zum jetzt vierten Male hier bei uns, hier in Zell, stattfinden kann.
Seit fast 30 Jahren besteht die Patenschaft zwischen der 5. Kompanie des
Fernmelderegiments 920 aus Kastellaun mit der Stadt Zell. Diese Patenschaft zwischen
Bundeswehr und Kommune besteht, dies kann man mit Fug und Recht behaupten, nicht
nur auf dem Papier. Sie wird tagtäglich gelebt und es existieren eine ganze Reihe von
persönlichen Freundschaften, Kontakten und Gemeinsamkeiten. Dieses partnerschaftliche
Verhältnis ist sicherlich beispielgebend für die Zusammenarbeit zwischen Bürgern und
Soldaten.
Ich möchte, meine sehr verehrten Damen und Herren, die heutige Gelegenheit auch dazu
nutzen, die Leistungen der Bundeswehr für die Stadt und Verbandsgemeinde Zell (Mosel)
und ihre Bürgerinnen und Bürger zu würdigen.
Dabei ist die Bundeswehr weit über ihre klassische Aufgabenstellung hinausgegangen.
Immer wenn Not am Mann war, und ich erinnere dabei insbesondere an die
Hochwasserereignisse der 90er Jahre, haben die Bundeswehr und an erster Stelle die

Soldaten der Patenkompanie unseren Bürgerinnen und Bürgern tatkräftig geholfen. Dafür
gebührt Ihnen unser ausdrücklicher Dank.
Aber auch in vielen anderen Fällen, ich erinnere nur an die Umweltaktion vor einigen
Tagen oder den alljährlichen Seniorentag ist die Bundeswehr für uns ein wichtiger, ein
guter Partner.
Anrede,
Die Bundeswehr steht aus meiner Sicht für ein demokratisches, für ein weltoffenes
Deutschland. Deshalb gehört sie auch in die Mitte unserer Gesellschaft; deshalb gehört
auch das Feierliche Gelöbnis, welches Sie heute ablegen, in die Mitte der Gesellschaft.
Diese Gelöbnisfeier hier in Zell ist für uns daher auch ein Zeichen unserer Verbundenheit
mit der Bundeswehr und für Stadt und Verbandsgemeinde Zell (Mosel) eine Ehre. Eine
gute, eine richtige Entscheidung, die ich nur begrüßen kann.
Aufgaben der Bundeswehr heute
Anrede,
ist die Bundeswehr, ist die Wehrpflicht, wie wir Sie seit über 40 Jahren kennen, noch
neudeutsch „up to date“? Brauchen wir auch heute noch die Bundeswehr? Hat das
Gelöbnis „ der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit
des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“ auch heute noch seine Berechtigung ?
Sicherlich eine oft, eine von Vielen gestellte Frage!
Seit 1989 hat sich Europa grundlegend verändert. Unser Land und die
Staatengemeinschaft der wir angehören, steht seitdem vor neuen Herausforderungen,
auch im Bereich der Sicherheit. Die Erhaltung von Frieden und Freiheit sowie die
Sicherung der Menschenrechte sind weiterhin eine konkrete Aufgabe.
Dabei hat sich die Situation jedoch grundlegend geändert. Die neue Sicherheitslage, mit
der wir – aber auch unsere Nachbarn – uns heute auseinandersetzen müssen, ist von
einer ganz anderen Art als wir dies über Jahrzehnte gewohnt waren. Nicht mehr die
Verteidigung ist jetzt die Hauptaufgabe der Armee, sondern Krisen- und
Konfliktbewältigung an der Seite unserer Alliierten in Europa und darüber hinaus. An
unseren Grenzen stehen sich keine feindlichen Armeen mehr gegenüber. An die Stelle der
Ost-West-Konfrontation sind aber grauenvolle ethnische Konflikte wie bspw. im früheren
Jugoslawien getreten.

Diese Krisen auf dem Balkan machen deutlich, dass wir nicht auf einer Insel leben; dass
wir nicht einfach abseits stehen dürfen! Geschundene, unschuldige Menschen in
benachbarten Krisengebieten verdienen es, nicht allein und ihrem Schicksal überlassen zu
werden. Menschenrechte, meine Damen und Herren, gelten für alle Menschen, überall!
Gerade die letzten Jahre haben deutlich gemacht, dass die Bundeswehr eine
Friedensstreitmacht ist, welche sich für diese Menschenrechte einsetzt. Dies hat der
Kosovo-Krieg sehr deutlich gezeigt.
Deutschland und die Bundeswehr, integriert in die gemeinsamen Streitkräfte mit unseren
Partnerstaaten, schauen bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit, bei Massenmord und
ethnischen (*was für ein schreckliches Wort!) Säuberungen nicht zu, sondern setzen sich
für das Freiheitsrecht aller Menschen ein. Auch aus diesem Grunde brauchen wir unsere
Staatsbürger in Uniform. Aus diesem Grunde brauchen wir unsere Bundeswehr! Einfach
weil unsere Soldatinnen und Soldaten Handwerker des Friedens und der Freiheit sind.
Liebe Soldaten,
Mein besonderer Gruß gilt heute Ihnen, die Sie in wenigen Minuten hier ihr Gelöbnis
ablegen werden. Sie bekräftigen heute vor ihren Kameraden, Ihren Angehörigen und
vielen Gästen ihre Bereitschaft, für unser Land und für unsere Mitbürgerinnen und
Mitbürger einzustehen. Sie entsprechen damit Ihrer Wehrpflicht und kommen damit einer
Pflicht nach, welche unser Grundgesetz Ihnen aufgibt.
Sie leisten damit einen unverzichtbaren Beitrag zur Sicherheit unseres Land und seiner
Menschen. Mit Ihrem Einsatz schützen Sie aber auch die Grundrechte jedes einzelnen
Menschen in unserem Lande.
Mit Ihrem Wehrdienst bringen Sie eindeutig zum Ausdruck, dass die Aufgabe, den Frieden
unseres Gemeinwesens nach außen zu sichern, nicht nur die alleinige Verantwortung
einiger weniger sein kann. Lassen Sie sich durch Zweifler nicht beirren.
Der Wehrdienst, zu dem Sie einberufen worden sind, ist der höchste Dienst, den der Staat
von seinen Bürgern verlangen kann – im Ernstfall auch unter Einsatz des eigenen Lebens.
Gerade in einer Zeit, in welcher allgemein nicht die Pflichten gegenüber unserem Land im
Vordergrund stehen, sondern viele Menschen ausschließlich nach ihren Rechten fragen

und Forderungen stellen, ist Ihre persönliche Entscheidung, den Grundwehrdienst
abzuleisten, eine positive Entscheidung für unsere Gesellschaft, für unsere gemeinsamen
Werte und für unser Land. Diese Bereitschaft, für die Allgemeinheit Verantwortung zu
übernehmen, ist heute nicht mehr selbstverständlich. Es heißt, Unbequemlichkeiten,
Anstrengungen und auch Einschränkungen zu akzeptieren.
Liebe Soldaten,
Sie sind Angehörige der Bundeswehr, welche mit dazu beigetragen hat, Deutschland die
längste Friedensperiode der Geschichte zu sichern. Sie dienen in einer Armee, in der der
militärische Auftrag im Einklang steht mit Freiheit, Menschenwürde, Demokratie und
Rechtsstaat. Sie können heute auch stolz darauf sein, Angehörige der ersten Armee eines
demokratischen Deutschlands zu sein. Eines demokratischen und bündnisfähigen
Deutschlands inmitten der Sicherheitspartnerschaft der europäischen und
nordamerikanischen Staaten.
Anrede,
Soldat zu sein ist für jeden von Ihnen auch eine persönliche Herausforderung. Eine gute
Ausbildung, Ihre Kameraden, Ihre Vorgesetzten und alle, die Ihnen heute ihre
Verbundenheit beweisen, werden Ihnen helfen, diese Herausforderung zu bewältigen. Ihr
Dienst verpflichtet Sie auch zur Achtung und zum Respekt vor anderen Menschen und
anderen Kulturen. Nur wer selbst zu den Werten unserer Verfassung steht, wird seiner
persönlichen Verantwortung für Frieden und Freiheit auf Dauer gerecht werden können.
Die Bundeswehr braucht Soldaten, die zu unserem Grundgesetz und den darin
verankerten Werten stehen, sie braucht Soldaten, die aus freier Überzeugung für unsere
Demokratie eintreten. Für Ihr "Ja" zum Grundwehrdienst danke ich Ihnen. Sie beweisen
damit eine vorbildliche staatsbürgerliche Haltung. Sie zeigen, dass Sie Ihre Verantwortung
für unser Land annehmen.
Anrede,
Die Zeitspanne Ihres Dienstes in der Bundeswehr ist dabei sicherlich auch ein
persönliches Opfer für das Gemeinwesen, das den Respekt aller Bürgerinnen und Bürger

verdient. Dafür möchte ich Ihnen an dieser Stelle meinen Respekt zollen! Dafür gebührt
Ihnen auch die volle Anerkennung Aller, für deren Sicherheit Sie eintreten.
Abschluss
Anrede,
Ich wünsche Ihnen, " unseren Rekruten ", die Gewissheit, einen notwendigen und
sinnvollen Dienst für unser Land zu leisten, einen Dienst der von unserer Bevölkerung
anerkannt und geschätzt wird.
Abschließend darf ich uns Allen, insbesondere in Verbundenheit mit unseren Rekruten,
eine gute und friedliche Zukunft wünschen!

 
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