Werkausschuss des Abwasserwerkes der Verbandsgemeinde Zell (Mosel) vergibt Bauaufträge und Studie zur Weiterentwicklung der Kläranlage Zell-Bullay-Alf

 


In seiner jüngsten Sitzung hat der Werkausschuss des Abwasserwerks der Verbandsgemeinde Zell (Mosel) mehrere Investitionsmaßnahmen in Auftrag gegeben. In der „Alten Kirchgasse“ in Zell-Merl soll jetzt auf einer Länge von 35 m sowohl eine Schmutz- als auch eine Niederschlagswasserleitung verlegt werden. Hierdurch sollen die angrenzenden Grundstücke erstmalig an die öffentliche Kanalisation angeschlossen werden. An den Kosten von rund 40.000 Euro beteiligt sich das Land Rheinland-Pfalz sowohl mit einem Zuschuss als auch einem zinslosen Darlehen in Höhe von jeweils 19.000 Euro. Ausgeführt wird die Baumaßnahme von der Firma Peter Brand aus Bullay.

In Bullay folgt das Abwasserwerk der Entscheidung der Ortsgemeinde zum Ausbau der Sonneckstraße mit der Erneuerung der dortigen Mischwasser-Kanalisation. Mit einem Aufwand von rund 55.000 Euro werden die größtenteils aus dem Jahr 1964 stammenden Abwasserleitungen auf einer Länge von etwa 100 m erneuert. Hier werden die Arbeiten vom Bauunternehmen Lehnen aus Wittlich ausgeführt.

Als dritte Maßnahme wurde eine Erweiterung der Schmutzwasserleitung in der Willi-Gräbner-Straße in Auftrag gegeben. Mit einem Aufwand von rund 75.000 Euro wird dort durch die Baufirma Blümling die Schmutzwasserleitung verlängert. Auch hier hat das Land Rheinland-Pfalz eine Förderung zugesagt. 29.000 Euro fließen als Zuschuss an die Verbandsgemeinde Zell (Mosel), weitere 29.000 Euro als zinsloses Darlehen.

Bei allen drei Baumaßnahmen werden sich die Anlieger an den Baukosten durch einmalige Beiträge beteiligen müssen.

Daneben beschäftigte sich der Werkausschuss sehr eingehend mit einer technischen Weiterentwicklung der Kläranlage Zell-Bullay-Alf. Das Einzugsgebiet der 1987 in Betrieb genommenen Anlage mit einer Ausbaugröße von 25.000 Einwohnerwerten umfasst die Stadt Zell sowie die Gemeinden Bullay und Alf. Als Anlagensystem wurde seinerzeit die simultane (also gemeinsame) aerobe Schlammstabilisierung gewählt. In den zurückliegenden Jahren wurde die Anlage insbesondere hinsichtlich Stickstoffelimination und Phosphatfällung sowie Belüftungstechnik auf den erforderlichen Stand der Technik gebracht

Neben der Abwasserbehandlung mit dem Ziel der ganzjährigen Einhaltung der Überwachungswerte ist die Stabilisierung des bei der Abwasserreinigung erzeugten Klärschlammes eine notwendige Voraussetzung für seine ordnungsgemäße Verwertung oder Beseitigung und damit eine entscheidende Aufgabe von Kläranlagen. Hauptziel bei der Stabilisierung von Klärschlamm ist der weitgehende Abbau seiner organischen Inhaltsstoffe. Hierdurch werden Umweltbelastungen vermieden oder vermindert. Klärschlämme werden überwiegend biologisch stabilisiert.

Im Gegensatz zur bislang praktizierten und energieintensiven aeroben Stabilisierung des Klärschlamms denkt das Abwasserwerk über eine künftige Anaerobe Stabilisierung (Faulung) nach, wie Werkleiter Helmut Halbleib im Werkausschuss erläuterte. Im Zuge dieses Prozesses wird der Klärschlamm einem Faulbehälter zugeführt. Hier entsteht in einem vierstufigen Prozess Biogas (Faulgas). Dieses kann über ein Blockheizkraftwerk oder über eine Mikrogasturbine mit einem Wirkungsgrad von 30 – 35 % verstromt werden. Die hieraus resultierende Wärme kann zur Aufheizung des Schlammes und des Faulturms sowie des Betriebsgebäudes genutzt werden.

Früher wurden solche Anlagen erst ab einer Ausbaugrößen von mehr als 30.000 Einwohnerwerten errichtet. Die in den vergangenen Jahren eingetretenen Entwicklungen, insbesondere die steigenden Energiepreise, veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen sowie technische Neuentwicklungen im Zusammenhang mit Biogasanlagen machen aus Sicht des Zeller Abwasserwerkes an der Kläranlage Zell-Bullay-Alf heute eine Neubewertung der Einsatzbereiche für die Schlammfaulung sinnvoll.

Im Hinblick auf die auch von allen Fraktionen im Verbandsgemeinderat Zell angestrebte und mittelfristig zu lösende Problematik der Klärschlammverwertung kommt hinzu, dass mit einer Umstellung auf Faulung neben dem energetischen Optimierungspotenzial durch Erzeugung von elektrischer und thermischer Energie – Kraft-Wärme-Kopplung - auch eine deutliche Reduzierung der Klärschlammmenge mit bis zu 30 % erwartet werden kann.

Um die Wirtschaftlichkeit einer solchen Umrüstung auf Faulung konkret für die Kläranlage Zell-Bullay-Alf prüfen, hat der Werkausschuss jetzt für 11.900 Euro eine entsprechende Studie in Auftrag gegeben. Bürgermeister Karl Heinz Simon wies ergänzend darauf hin, dass das Mainzer Umweltministerium für diese Studie eine finanzielle Förderung von 7.500 Euro in Aussicht gestellt hat.  

Bei der Untersuchung ist zu beachten, dass an der Kläranlage Zell-Bullay-Alf bedingt durch die Lage unmittelbar am bzw. teilweise im Überschwemmungsgebiet gewisse Zwangspunkte hinsichtlich der Platzverfügbarkeit bestehen.

Die vom Werkausschuss beauftragte Ingenieurgesellschaft Dr. Siekmann + Partner wird nun in den nächsten Monaten die Situation untersuchen und den Gremien der Verbandsgemeinde Zell entsprechende Vorschläge unterbreiten.

 
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